Guatemala

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Von Guatemala hatte ich die schönsten und farbenfrohesten Bilder im Kopf, die Gerüche von frischen Früchten und den Anblick von Frauen mit langen Zöpfen, die ihre Lasten auf dem Kopf tragen … als ich Mexiko verließ und die ersten Schritte auf guatemaltekischer Seite machte, nahm ich die Realität in diesem Land zum ersten Mal wahr und mein Herz zog sich allmählich zusammen und verfiel in Schweigen:

Die vielen Frauen und Männer, die geduldig an ihrem Verkaufsstand am Rande der Straße warten, bis ein Reisender anhält, um vielleicht eine Ananas, eine Kokosnuss oder eine Mango aus dieser Gegend zu kaufen. Hitze weit über 30 Grad. Das Bild eines schuftenden Greises von ca. 70 Jahren mit einem schweren Riesenbündel von Brennholz, das mit einem Band an seiner Stirn befestigt ist, – schwitzend aus allen Poren. Die Kinder, denen immer ein Spiel einfällt, auch im Müll. Für eine Ananas zahle ich 25 Quetzales, 25% des Mindestlohns in diesem Land, der 60 Quetzales pro Tag beträgt. Das sind nicht einmal 7 Euro, – pro Tag.

Unterwegs sehe ich viele Kasernen und unter all den Uniformen schusssichere Westen, in den Händen Maschinengewehre. Fast noch Kinder mit ihren arglosen Blicken versuchen sie ihrem Leben einen Sinn zu geben, indem sie diese Aufgabe in der Gesellschaft übernehmen: den Staat schützen, die Bürger schützen.

Die unzähligen Kirchen, die es in Guatemala gibt, wecken meine Aufmerksamkeit: Das Volk Israels, die Apostel des 7. Tages, die Prophezeiung des Jehovas. Die evangelikalen Kirchen haben von den einsamen und betäubten Seelen der armen guatemaltekischen Bevölkerung Besitz ergriffen. Sie errichten sauber gestrichene Kapellen aus Zement neben den einfachen Hütten aus Wellblech, Plastik und Karton. Einige wirken sogar elegant, sie sind aus Lehm und haben mit Stroh gedeckte Dächer. Mindestens das.

Und ich frage mich, ob die Kirchen mit ihrer biblischen Botschaft nicht Wichtigeres zu tun haben als Gebäude aus „edlem Material“, wie man hier sagt, zu errichten und damit ihrem Bedürfnis nachzukommen, den gewonnenen Raum wie ein in Besitz genommenes Territorium zu markieren. Jedenfalls sind sie ein unübersehbares und omnipräsentes Zeichen für den Verlust indigener Identität und Tradition.

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Ein Projekt zur schöneren Gestaltung der Straßen oder des familiären Lebensraums zur besseren Ernährung, zur Einrichtung von kleinen Gemüsegärten erschiene mir sinnvoller und effektiver als die Errichtung von zementierten Kapellen. Um die Bibel zu lesen, die voller Metaphern und Geschichten ist, die uns ernähren, brauchen wir nur die Krone eines Schatten spendenden Baumes und davon gibt es genug in diesem tropischen Wald.

Diese Religiosität mit ihrem tropischen Wald aus Zementkirchen steht in Konkurrenz zu einer anderen architektonischen Besonderheit des Landes: den Auto-Hotels, Treffpunkten für treue und weniger treue Verliebte. Deren Namen sind besonders bemerkenswert: Hotel Sonnenuntergang, Love Party, Geheime Liebe, Das Versteck, Zum Macho, Die Festung, Delirium, Traum, Zur Entspannung … und es gibt viele davon… genau wie die Kirchen und beide haben seltsame Namen.

Die indigene Bevölkerung, deren offizielle Sprache Spanisch ist, – neben 23 anderen Sprachen -, bewegt sich wie im Schock, backt Tortillas, trägt Früchte auf dem Kopf, kämpft irgendwie gegen die Armut in diesem Land, wo mehr als 50% der Menschen in völliger Armut leben.

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Während die Politiker die Bühne mit Szenen der Korruption und persönlicher Bereicherung füllen, macht der gegenwärtige Präsident, ein Ex-Komiker aus dem Fernsehen, Jimmy Morales, vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass er weiterhin den Genozid an den Maya Ixid leugnet, die Abtreibung ablehnt und die Todesstrafe befürwortet. Der Ex-Präsident und seine Berater erwarten derzeit einen Prozess wegen Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder.

Die Hitze ist stark in dieser Zone. Sie verändert die Stimmung und/oder unterwirft ihre Vasallen einem trügerischen Wachtraum. Schweigend und schwitzend fahren wir Kilometer um Kilometer durch dieses Land der Bananen, wo die großen amerikanischen Unternehmen, allen voran „The United Fruit Company“, ihre Spuren und den traurig stimmenden Begriff der „Bananenrepubik“ hinterlassen haben.

Ich kann hier nicht einfach weiterschreiben, ohne an die Sensibilität des genialen Pablo Neruda zu erinnern, der vor vielen Jahren von der “süßen Taille Amerikas, unserem Kontinent” schrieb. Er und  Micky Theodorakis haben den Schmerz über die Zustände in Mittelamerika und die Schandtaten der „United Fruit Company“ in ihrem Oratorium Canto General (das Mitte der 70er Jahre entstand) zum Ausdruck gebracht. Ein Werk, das auch heute noch, im Jahre 2016, nichts an seiner Aktualität verloren hat. Den spanischen Text oder die deutsche Übersetzung findest du hier.

Was mir von Guatemala bleibt, ist die Herzlichkeit und die Freundlichkeit der Menschen. Vielleicht sind die prekären Verhältnisse unter denen mehr als 50% der Bevölkerung leben, Ursache für die Menschlichkeit, die sie ausstrahlen. Es macht Freude, mit ihnen zu reden und ich bewundere, wie sie ihr tägliches Leben meistern. So viel Kirche, Bibel und Erotik vereint mit der Üppigkeit der Tropen zaubert trotz aller Lasten ein breites Lächeln, das von Herzen kommt, in die Gesichter vieler Menschen.

Und klar, zur kulturellen Befriedigung und für die Kameras der Touristen gibt es natürlich auch noch Tikal neben andere Vermächtnissen, die die Ureinwohner in unseren Ländern hinterlassen haben, als sie von dieser Erde verschwanden:

 

Bei der Einreise ins Land wird JW per Handschlag von einem Uniformierten an der Grenze begrüßt. Zum ersten Mal in seinem Leben wird er so an einem Grenzübergang empfangen. – Bei der Ausreise verlangt ein andrer Beamte plötzlich 100 Quetzales. Ohne genau zu wissen, wofür, reichen wir ihm das Geld und bitten um eine Quittung. Da wirft er uns den Geldschein wütend wieder hin und sagt nichts mehr.

Clea

Español

De Guatemala tenía las más hermosas y coloridas imágenes, olores de frutas frescas y trenzas de mujeres llevando sus cargas en la cabeza… saliendo de México y haciendo los primeros pasos en tierra guatemalteca, guardando la actual cotidianidad mi corazón se fue encogiendo en silencio poco a poco.

Me golpearon primero los incendios innumerables que empecé a observar en este vasto territorio de bosque tropical. Luego, las miradas perdidas y cansadas de mujeres mayas con sus faldas gruesas y anchos cinturones, los niñitos jugando entre la basura que ya se ha constituido como parte de su paisaje natural en muchas partes.

La cantidad de hombres y mujeres que pacientemente al lado de su quiosco en la carretera esperan la parada de algún transeúnte que le compre una piña, un coco o mangos de la zona. Calor de más de 35 grados promedio. La imagen de un anciano como de 70 cargando leña sosteniendo el bulto con una cinta amarrada en su cabeza y sudando, sudando mucho. Los niños se las ingenian siempre para jugar, aún con la basura. Pago por una piña 25 quetzales, el 25% del salario mínimo vital en este país, que es de 60 quetzales al día, – Esto es apenas € 7.00 – al día.

Observé en el camino muchos cuarteles militares y detrás de todo ese uniforme, chalecos anti balas, metralletas, casi niños de miradas aún ingenuas tratando de encontrarle un sentido a su vida asumiendo ese rol en la sociedad: cuidar el estado, cuidar a los ciudadanos.

Llamó mucho mi atención también las innumerables iglesias existentes en Guatemala: el pueblo de Israel, los 7 apóstoles, la profecía de Jehová. Las iglesias evangélicas han encontrado un asidero en las almas solitarias y aturdidas de la pobreza del pueblo guatemalteco. Se erigen capillas bien pintadas y de cemento al lado de casas humildes de calamina, plástico y cartón. Hay algunas con elegancia: de adobe y techo de paja. Las menos.

Me pregunto por qué las iglesias con su mensaje bíblico no atinan más que a erigir una construcción de ¨material noble¨ como se dice acá, por qué esa necesidad de demarcar el espacio como expresión de un espacio ganado. De todas maneras, la omnipresencia de lal iglesias evangelícelas es un indicador fuerte de la perdida de la identidad indígena y su tradición.

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Un proyecto para el mejoramiento de la calle, de la organización del espacio familiar, de la mejor nutrición, de creación de pequeños huertos me parece sería más efectivo que invertir en una capilla de cemento. Para leer la biblia, que tiene metáforas y cuentos que nos nutren, no necesitamos más que la copa de un árbol que nos da sombra y, que los hay suficientes en este bosque tropical.

Esta religiosidad con su expresión arquitectónica en el bosque tropical de capillas de cemento hace competencia con otro tipo de construcciones: los auto-hoteles, sitios de encuentro para enamorados fieles y menos fieles. Los nombres también son muy curiosos: el ocaso, love party, secreto amor, el escondite, el macho, la fortaleza, delirio, el ensueño, el calmante … son muchos tantos, como las iglesias y ambos con nombres curiosos.

La población indígena en este país que oficialmente tiene el español como lengua oficial junto a 23 más, anda como en choque horneando tortillas, cargando su fruta en la cabeza, luchando contra la pobreza de alguna manera, en un país donde más del 50 % vive en aguda pobreza.

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Mientras los políticos llenan el escenario con escenas de corrupción y enriquecimiento ilícito, el actual presidente, un ex cómico de la tv, Jimmy Morales, sigue negando el genocidio del pueblo maya Ixid, condena el aborto y está a favor de la pena de muerte. … El ex presidente de Guatemala con sus asesores más cercanos enfrentan un juicio por corrupción y mal uso del tesoro público.

El calor es fuerte en esta zona. Altera los humores y /o somete a sus vasallos a un ensueño evasivo. En silencio y sudando recorremos kilómetros de este país bananero, donde las grandes corporaciones norte-americanos han dejado su huella y el adjetivo internacional hoy en día del conocido concepto de ¨república banana¨…tristemente.

No puedo por lo menos que terminar recordando la sensibilidad genial de Pablo Neruda quien hace muchos años escribiera sobre la ¨dulce cintura de América¨ de nuestro continente. El y Micky Theodorakis han expresado su dolor sobre las condiciones en Centro America y los crímenes de la  „United Fruit Company“ en su oratorio Canto General (de los años 70).  Una obra que no ha perdido nada de su actualidad hasta hoy, en el año 2016.  El texto de esta parte puedes leer aquí.

Lo que me queda de Guatemala es el corazón y cariño de las gentes. Quien sabe las precarias condiciones en que vive más del 50 % de su población les han regalado una gran humanidad. Es un placer compartir con ellos y los admiro al ver cómo encaran su cotidianidad. Tanta iglesia y biblia y tanto erotismo unido a la voluptuosidad del bosque tropical contribuyen a pesar de los pesares a estrechar una amplia sonrisa que la emiten desde los corazones.

Y claro, para la satisfacción cultural y las cámaras de los turistas están ahí Tikal entre otros legados de lo que los hombres originarios de nuestros países han dejado como testimonio de su paso por la tierra…

JW fue recibido con un apretón de mano en la frontera. La primera vez en su vida que lo saludan así al cruzar una frontera. A la salida, sellándonos el pasaporte un empleado de la aduana nos pide 100 quétzales. Extendemos el dinero sin saber exactamente la finalidad. Cuando le solicito el recibo por favor, me tira el billete con fastidio y no dice más nada.

Clea

English

Entering Guatemala for the first time I had the most wonderful and colorful pictures in my mind, I smelt the fresh tropical fruits and imagined the women with their long plaits, carrying heavy loads on their heads … after the first steps on Guatemaltecan land I was faced with the sad reality and my heart almost stopped beating and stood still.

First I was hit by the innumerable fires, which I observed everywhere in the vast jungle areas. Then it was the lost and tired glances of the Maya-women in their thick skirts with the tight belts. The children, which play in the garbage, which has already turned into a kind of natural habitat for them in some areas.

The great number of men and women in front of their sales booths close to the road waiting patiently for a traveller, who might stop and buy one of their pineapples, a coconut or a mango from the area. It is 95 F hot. The picture of an old man, sweating and carrying a heavy bundle of firewood, slung around his forehead with a thick band of cloth, – sweating a lot. The children who always find something to play with, even in the garbage. I pay 25 quetzales for one pineapple, which is 25% of the minimum wage in this country, which is 60 quetzales per day, – per day!

On the way I often see barracks and under all the uniforms the bulletproof vests, young men with machine guns in their hands, almost children how they ingenuously look at me trying to fill their lives with meaning by assuming this task: protect the country, protect the citizens.

The innumerable churches in Guatemala also drew my attention: The People of Israel, The Seventh-Day Adventists, The Prophecy of Jahwe. The evangelical churches have taken grip of the solitary and numb souls of the poor population of Guatemala. They erect chapels, which are well painted and made of cement, next to the miserable huts, made of corrugated sheets, of plastic and cardboard. There are even some churches, that are made of “noble material”, as it is called here, which means of bricks and with straw roofs, – at least.

I ask myself, why the churches with their biblical message need to mark the space, which they have conquered in such a way. Anyway, the omnipresence of the evangelical churches in Guatemala are a strong indication of the loss of indigenous identity and tradition.

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A project for the improvement of the streets or the private living areas, for better and healthier nutrition, for the creation of a small kitchen garden would make more sense and would be more effective in my opinion than building a church of cement. In order to read the bible, which is full of stories and metaphors, we don not need more than the shade of a big tree, and there are many of them in these tropical forests.

This religiousness with its tropical jungle of chapels and churches made of cement is competing with another architectural peculiarity of the country: the auto-hotels (car-hotels), meeting places for true or less true lovers. Their names are also rather strange: Sunset, Love Party, Secret Love, Hiding Place, macho, Fortress, Delirium, Dream, Relax … and there are lots of them like the churches, both of them with strange names.

There are 23 languages spoken in Guatemala, but the official language is Spanish, and the indigenous population is moving like under shock, baking their tortillas, carrying their fruits on their heads, fighting somehow against poverty in a country, where over 50% of the population lives in extreme poverty.

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While the politicians fill the stage with scenes of corruption and illicit enrichment the actual president, Jimmy Morales, an ex TV comedian, continues denying the genocide of the Ixid Mayas, is opposed to abortion and supports the death-penalty. … The ex-president of Guatemala and his advisors are currently awaiting a trial for corruption and abuse of public money. The ex-president of Guatemala and his advisors are currently awaiting a trial for corruption and abuse of public money.

The heat is strong in this área. It changes the mood and/or subdues its victims to a treacherous daydream. Mute and sweating we drive miles after miles through this country of bananas, where the big American corporations like ”The United Fruit Company” have left their traces and the infamous term of the “banana republic”.

I can’t continue writing here without remembering the sensitivity of the genial Pablo Neruda, who wrote about the “sweet waist of America, our continent” . He and Micky Theodorakis have expressed their pain about the conditions in Central America and the crimes of the United Fruit Company in their ortorio „Canto Genral“ (which took shape in the seventies of the last century). An opus, which has not lost any of its topicaltity until today. The English translation you can find here:

What I remember most of Guatemala are the friendliness and the love of the people. It is a pleasure to talk to them and I admire how they manage their daily lives. So much church, bible and eroticism united with the lushness of the tropical forest always conjure up a smile on their faces, which comes from their hearts, in spite of all their hardships.

 But, of course, for the cultural satisfaction and the cameras of the tourists there is Tikal and other legacies, which our predecessors left behind as testimonies of their existence, when they left these territories:

At the border JW was welcomed to Guatemala with a friendly handshake by the man in uniform. For the first time in his life he was greeted like that, when he crossed a border. – When leaving the country, the official charged 100 Quetzales and we did not really know why. We gave him the money reluctantly asking for a receipt. At this moment the official threw the bill angrily back and did not say anything more.

Clea

 

 

 

 

 

 

 

 

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